Herausforderung Energiewende

Jühnde ist ein Ort mit viel Energie: Das 800-Einwohner Dorf in Niedersachsen war 2005 das erste Bioenergiedorf in Deutschland und versorgt sich komplett selbst mit Strom und Wärme aus Biomasse. Das Pionierprojekt weckte große Aufmerksamkeit in der ganzen Welt. Aus den USA und Japan reisten Delegationen nach Jühnde und ließen sich erklären, wie aus Gülle, Mais und Getreide in einer Biogasanlage Energie entsteht. Auch in Deutschland fanden sich viele Nachahmer. Die mittlerweile rund 100 energieautarken Dörfer und Gemeinden sind ein Beispiel dafür, wie die vor einem Jahr beschlossene Energiewende in Deutschland gelingen kann. Windräder Bild vergrößern Windräder (© picture alliance/dpa)

Rückblick: Ende Mai 2011 – und damit wenige Wochen nach dem schweren Reaktorunglück im japanischen Fukushima – fasste die Bundesregierung eine weitreichende Entscheidung. Als erstes Industrieland stieg Deutschland aus der Atomkraft aus. Von den 17 deutschen Atomkraftwerken sind alle vor 1980 gebauten Meiler bereits stillgelegt. Bis Ende des Jahres 2022 werden dann auch die restlichen neun deutschen Kernkraftwerke nach und nach komplett abgeschaltet. Künftig soll der Strom in Deutschland vor allem aus erneuerbaren Energien kommen – im Jahr 2022 zu 35 Prozent, bis 2050 sollen es dann 80 Prozent sein. Heute tragen erneuerbare Energien aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse rund 20 Prozent zum Strommix in Deutschland bei.

Mit dem Atomausstieg hat die Bundesregierung die Energiewende zu einem ihrer zentralen Projekte gemacht. Bundesumweltminister Peter Altmaier bezeichnete die Energiewende als „eine der größten Herausforderungen für den Standort Deutschland“. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt bei der Umsetzung des Großprojekts auf eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Ländern. Die Bundeskanzlerin will insbesondere den Ausbau leistungsfähiger Stromnetze beschleunigen. Hier sei Deutschland bei vielen Projekten im Rückstand. Große Übertragungsleitungen würden aber gebraucht, um die Industriegebiete im Süden mit Windenergie aus Norddeutschland zu versorgen, machte Merkel in ihrer neuesten Videobotschaft deutlich.

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